Lederproben im Zoll: HS-Code 4107 und die Proforma
Eine festgehaltene Musterkarte kostet keine Zollgebühr, sondern eine Musterrunde. Was auf die Proforma gehört, damit die Sendung durchläuft — und wann die Befreiung für Warenmuster tatsächlich greift.
Ein Leitfaden von TL San Martín, Gerberei in Elda (Alicante, Spanien) seit 1995, LWG Gold nach dem Leather-Manufacturer-Standard.
Ein Ledermuster wird unter Kapitel 41 angemeldet – bei Rindleder in der Regel 4107 –, nicht unter dem Code des Endprodukts. Wer eine Musterkarte als Schuh (6403) oder Tasche (4202) deklariert, meldet die falsche Ware an. Und der Vermerk „Muster ohne Handelswert“ ist kein Zollstatus: er ersetzt weder Zollanmeldung noch Einfuhrumsatzsteuer.
Die englische Fassung dieser Frage steht unter leather sample HS code.
Unter welchen HS-Code fällt eine Lederprobe?
Entscheidend ist, was das Muster physisch ist, nicht wofür es später verwendet wird. Eine A4-Probe aus fertigem Rindleder bleibt fertiges Rindleder, auch wenn sie für eine Schuhkollektion bemustert wird.
| Muster | Kapitel | Typische Position |
|---|---|---|
| Fertiges Rind-/Kalbleder (Nappa, Box, Nubuk) | 41 | 4107 |
| Ziegen-/Schafleder, fertig | 41 | 4113 / 4114 |
| Crust (halbfertig, ungefärbt gegerbt) | 41 | 4104–4106 |
| Musterkarte mit aufgeklebten Lederstücken | 41 | 4107, nach dem Leder |
| Konfektioniertes Musterteil (genähter Schaft) | 64 bzw. 42 | folgt dem Endprodukt |
| Gestanztes Lederetikett | 42 | 4205 |
Die Grenze verläuft bei der Konfektion. Ein zugeschnittenes, aber nicht genähtes Stück Leder bleibt Leder. Sobald genäht, geklebt oder montiert wird, wandert die Ware in das Kapitel des fertigen Erzeugnisses – für Taschen und Kleinlederwaren siehe Kapitel 42, für Schuhe Kapitel 64.
Wann greift die Zollbefreiung für Warenmuster wirklich?
Warenmuster und -proben von geringem Wert können nach Art. 86 der Zollbefreiungsverordnung (EG) Nr. 1186/2009 abgabenfrei eingeführt werden. Der Zoll knüpft das an zwei Bedingungen, und die zweite wird regelmäßig übersehen:
- Geringer Wert.
- Das Muster muss so beschaffen sein, dass es nur zur Erprobung und nicht zum Verkauf geeignet ist. Die Verordnung nennt dafür ausdrücklich das Zerreißen, Lochen oder deutliche und dauerhafte Kennzeichnen – in der Praxis: entwertet.
Eine unversehrte, verkaufsfähige Lederhaut ist kein Warenmuster im Sinne der Vorschrift – auch dann nicht, wenn auf dem Paket „Sample" steht. Für Labormuster (Chrom-VI-Prüfung nach EN ISO 17075, Reibechtheit, Biegeprüfung) besteht daneben die Befreiung für Prüfungs-, Analyse- und Versuchszwecke derselben Verordnung; sie ist mengenbegrenzt und daran geknüpft, dass die Ware bei der Prüfung verbraucht wird.
Wichtig: Die Befreiung kommt nicht automatisch. Sie wird nur gewährt, wenn die Sendung ordnungsgemäß zur Überführung in den freien Verkehr angemeldet wird – elektronisch über ATLAS-Einfuhr oder über die Internetzollanmeldung. Und: Zollbefreiung ist nicht gleich Steuerbefreiung. Die Einfuhrumsatzsteuer von 19 % wird auf den Zollwert erhoben, auch wenn der Zollsatz null beträgt. Wer sie nicht einplant, hat die Musterkarte beim Dienstleister liegen.
Was ändert sich, wenn die Muster aus der EU kommen?
Das ist der Teil, der in der Kalkulation am meisten ausmacht und am seltensten angesprochen wird.
| Herkunft der Muster | Zollanmeldung | Zoll | EUSt | Typische Verzögerung |
|---|---|---|---|---|
| Spanien / EU | keine | – | – | 0 Tage |
| Türkei (Zollunion, gewerbl. Ware) | ja, mit A.TR | meist 0 | 19 % vorzufinanzieren | 1–4 Tage |
| Indien / Pakistan | ja | nach Position | 19 % vorzufinanzieren | 3–10 Tage |
| China / Vietnam | ja | nach Position | 19 % vorzufinanzieren | 3–10 Tage |
| Vereinigtes Königreich | ja, mit Ursprungsnachweis | 0 bei Präferenz | 19 % vorzufinanzieren | 2–7 Tage |
Eine Musterlieferung aus Elda nach Deutschland ist eine innergemeinschaftliche Lieferung: keine Einfuhr, keine Zollanmeldung, keine EUSt-Vorfinanzierung, keine Zollstelle, die das Paket festhält. Bei einer Kollektionsentwicklung mit drei oder vier Musterrunden ist das kein Formalthema, sondern der Unterschied zwischen einer Musterrunde pro Woche und einer pro Monat. Dieselbe Logik gilt für die spätere Serienlieferung – siehe Leder für Barfußschuhe und Leder für Hundehalsbänder.
Was muss die Gerberei auf die Proforma schreiben?
Die Proforma-Rechnung ist das Dokument, an dem die Sendung hängt. Sie muss einen realistischen Wert ausweisen – ein Pauschalwert von „1 EUR" ist der häufigste Grund für eine Prüfung. Auf die Proforma gehören:
- HS-Code (z. B. 4107.12) und klare Warenbezeichnung: finished bovine leather, sample swatches
- Stückzahl, Maße bzw. Fläche, Netto- und Bruttogewicht
- Wert je Stück und Gesamtwert, realistisch angesetzt
- Ursprungsland und Ursprungsnachweis, falls relevant
- Vermerk: „Warenmuster ohne Handelswert – Sample, no commercial value"
- Entwertungsvermerk, wenn die Muster gelocht oder gestempelt sind
- EORI-Nummer des Empfängers
Die HS-Position und die exakte Warenbeschreibung kann nur der Hersteller des Materials liefern – Ihr Spediteur reiht ein, aber er weiß nicht, ob Ihr Muster Crust oder fertiges Leder ist. Was ein Zertifikat dazu aussagt und was nicht, steht unter LWG-Zertifikat lesen. Wer gerade erst eine Schuhmarke aufbaut, findet den Rest der Materialentscheidung im Einstieg Leder für neue Schuhmarken; für den umgekehrten Weg – Export aus der EU – siehe how to export leather goods.
Hinweis: Dieser Beitrag ist eine technische Orientierung aus Sicht der Gerberei, keine Zoll- oder Rechtsberatung. Verbindlich sind die Auskünfte der deutschen Zollverwaltung (zoll.de) und die Einreihung nach der EU-Datenbank TARIC. Für eine rechtssichere Einreihung dient die verbindliche Zolltarifauskunft (vZTA).
Sie suchen Lieferanten, Lohnfertigung oder Zuschnitt in der EU?
TL San Martín betreibt ein offenes B2B-Board für Leder und Schuh – kostenlos, ohne Provision. Stellen Sie Ihre Materialanfrage unter Materials ein: Artikel, Stärke, Fläche, Farbrichtung und Jahresvolumen. Gerbereien, Zuschnittbetriebe und Fertiger lesen dasselbe Board. Zum offenen Board.
Häufige Fragen
Reicht der Aufdruck „Sample – no commercial value" auf dem Paket?
Nein. Der Vermerk gehört auf die Proforma, ersetzt aber weder die Zollanmeldung noch einen realistischen Wertansatz. Ohne beides wird die Sendung angehalten.
Muss ich Lederproben entwerten lassen?
Für die Befreiung nach Art. 86 ja – das Muster muss erkennbar nicht verkaufsfähig sein. Lochung oder Stempel auf der Fleischseite lässt Farbe, Narbung und Griffigkeit unberührt, um die es beim Bemustern geht.
Welchen Wert soll ich für eine Musterkarte ansetzen?
Den tatsächlichen Materialwert der enthaltenen Fläche zuzüglich Konfektion. Bei einer Karte mit zwanzig Abschnitten à 10 × 15 cm sind das rund 0,3 m² – ein zweistelliger Eurobetrag, kein dreistelliger und kein symbolischer.
Gibt es eine Mindestbestellmenge für Muster?
Auf das Leder selbst nicht. Wir arbeiten mit Marken im Aufbau, bei denen sich die Bestellung wiederholt – die Musterrunde ist der Anfang der Zusammenarbeit, nicht ein Einzelgeschäft. Muster anfordern.
TL San Martín gerbt und veredelt Leder seit 1995 in Elda, Alicante: LWG Gold nach dem Standard Leather Manufacturer — der einzige Standard, in dem es eine Gold-Medaille überhaupt gibt; ein Trader kommt höchstens auf „Approved“. Muster anfordern.