TL San Martín

Founder Sourcing · Lieferantentypen

Gerberei oder Ledergroßhandel: wer liefert Schuhmarken?

Vier sehr verschiedene Unternehmen nennen sich alle „Lederlieferant“. Wer am Anfang den falschen Typ anspricht, bekommt nicht den falschen Preis, sondern die falsche Antwort auf jede Frage, die danach kommt.

Ein Leitfaden von TL San Martín, Gerberei in Elda (Alicante, Spanien) seit 1995, LWG Gold nach dem Leather-Manufacturer-Standard.

Jorge San Martín · TL San Martín Aktualisiert: 2026-10-06 Deutsch

Eine Gerberei stellt das Leder her, ein Großhandel kauft und lagert es, ein Ledershop verkauft Kleinmengen an Handwerker, ein Agent vermittelt gegen Provision. Alle vier treten als „Lieferant“ auf. Der Unterschied zählt genau dann, wenn Sie eine Farbe entwickeln, eine Stärke ändern oder in zwei Jahren dieselbe Partie nachbestellen wollen — dann kann es nur einer.

Warum heißen vier verschiedene Unternehmen gleich?

Weil „Lederlieferant“ keine geschützte Funktion beschreibt, sondern eine Rolle in einer Kette — und vier sehr verschiedene Unternehmen können diese Rolle spielen.

Wer auf Deutsch nach einem Lieferanten sucht, landet in der Regel an einem von zwei Enden. Am einen Ende stehen Branchenverzeichnisse, die vier- bis fünfstellige Lieferantenzahlen ausweisen, ohne zu unterscheiden, was die gelisteten Firmen eigentlich tun. Am anderen Ende stehen Ledershops für Kleinmengen, die einzelne Häute an Handwerker und Hobbyisten verkaufen. Zwischen beiden — dort, wo eine startende Schuhmarke tatsächlich einkauft — ist wenig zu finden.

Das ist kein Suchproblem. Es ist der Grund, warum viele erste Gespräche an der falschen Tür geführt werden.

Welche vier Typen gibt es wirklich?

Typ Was er tut Woran Sie ihn erkennen Wofür er der Richtige ist
GerbereiStellt Leder aus Rohhaut oder Crust selbst herNennt Gerbart, Artikelnamen, Partiegrößen und eigene TrommelnEigene Farbe, definierte Stärke, Nachbestellung derselben Spezifikation
LedergroßhandelKauft fertiges Leder, lagert und verkauft weiterSpricht über Lagerbestand und Lieferzeit, nicht über RezepturSofortverfügbarkeit, kleine Mengen, mehrere Gerbereien aus einer Hand
Ledershop / KleinmengenVerkauft einzelne Häute im OnlineshopPreis pro Haut, Warenkorb, Versand an PrivatMuster, Prototyp, Einzelstück
Agent / HandelsvertreterVermittelt gegen ProvisionHat kein Lager und keine ProduktionMarkteintritt in einem fremden Land

Keiner dieser Typen ist besser als der andere. Sie lösen verschiedene Probleme. Ein Großhandel, der 200 Artikel aus zwölf Gerbereien am Lager hat, ist für einen Prototyp oft die schnellere und klügere Wahl — und die Argumente für beide Seiten stehen ausführlich im englischen Pendant dieser Seite.

Der Unterschied wird erst dann teuer, wenn Sie etwas wollen, das nur die Herstellung leisten kann.

Kurz übersetzt, weil diese Wörter im ersten Gespräch fallen: Crust ist gegerbtes, getrocknetes, aber noch nicht zugerichtetes Leder — die Stufe, auf der Farbe entsteht. Eine Partie ist eine Fertigungscharge. Substanz ist die Stärke in Millimetern. Ein Artikel ist der hauseigene Produktname der Gerberei; „schwarzes Kalbleder“ ist eine Beschreibung, kein Artikel.

Die eine Frage, die sofort Klarheit schafft

Fragen Sie nicht, ob Ihr Gegenüber eine Gerberei ist. Das bejaht fast jeder, weil der Begriff im Sprachgebrauch weich geworden ist.

Fragen Sie stattdessen:

„Können Sie diesen Artikel in einer eigenen Farbe für uns anlegen — und wie groß ist dafür die Mindestcharge?“

Die Antwort sortiert das Gespräch in einem Satz. Wer selbst herstellt, nennt Ihnen eine Trommelcharge, eine Laborfarbe und einen Termin. Wer handelt, weicht auf den Bestand aus („wir haben etwas sehr Ähnliches am Lager“) oder muss rückfragen. Beides sind legitime Antworten — sie sagen Ihnen nur, mit wem Sie sprechen.

Eine zweite Frage prüft dieselbe Sache von der anderen Seite: „Ist die Nachbestellung in zwei Jahren an die heutige Freigabe gebunden oder nur an sich selbst?“ Eine Bindung an die ursprüngliche Freigabe kann nur zusagen, wer das Rezept besitzt.

Was sagt das Zertifikat über den Typ?

Mehr als jede Selbstbeschreibung — wenn man weiß, wo man hinsieht.

Die Leather Working Group zertifiziert nach vier getrennten Standards: Leather Manufacturer, Commissioning Manufacturer, Trader und Subcontractor. Der entscheidende Punkt für Ihre Frage: nur die ersten beiden erhalten überhaupt eine Medaille. Ein Trader-Zertifikat erreicht als höchste Stufe „Approved“ — nicht, weil das Unternehmen schlechter arbeitet, sondern weil es nach einem anderen Standard geprüft wird, der die Herstellung gar nicht umfasst.

Das heißt in der Praxis: wenn auf dem Zertifikat „Trader“ steht, haben Sie einen Händler vor sich, unabhängig davon, wie die Firma sich auf ihrer Website nennt. Umgekehrt ist eine Medaille nach dem Standard Leather Manufacturer ein Nachweis eigener Produktion, den man nicht zukaufen kann.

Zwei Zahlen, die dabei regelmäßig missverstanden werden: Die Medaille richtet sich nach dem niedrigsten geprüften Abschnitt — Gold bedeutet 85–100 % in jedem einzelnen der bewerteten Bereiche, nicht im Durchschnitt. Und die Rückverfolgbarkeit wird getrennt in Prozent ausgewiesen und ist derzeit kein kritischer Abschnitt; ein gültiges Zertifikat kann hier sehr niedrig liegen. Wie Sie das Dokument Zeile für Zeile lesen, steht in ein LWG-Zertifikat richtig lesen.

Ob Sie wirklich in einer Gerberei stehen, sehen Sie in einer Minute an den Maschinen in der Halle. Wie Sie Auditkategorie und Werk abgleichen, zeigt Gerberei besuchen: die Checkliste vor der ersten Lederbestellung.

Wann brauchen Sie welchen Typ?

Nach Entwicklungsphase, nicht nach Unternehmensgröße.

Phase Was Sie brauchen Wer passt
Musterung, erste PrototypenWenige Häute, schnell, viele VariantenLedershop oder Großhandel
NullserieDefinierte Stärke, wiederholbare QualitätGroßhandel mit Lagerartikel oder Gerberei
Erste ProduktionEigene Farbe, Toleranzen, LieferterminGerberei
Nachbestellung, zweite SaisonBindung an die ursprüngliche FreigabeGerberei

Der häufigste Fehler ist nicht die falsche Wahl, sondern der zu späte Wechsel: Mit einem Lagerartikel in die erste Produktion zu gehen und erst bei der Nachbestellung zu merken, dass der Artikel ausgelaufen ist. Wer für diesen Übergang noch niemanden hat, findet auf dem offenen B2B-Board Gerbereien, Händler und Fabriken, die sich dort direkt und ohne Vermittler suchen. Welche Entscheidungen zu welchem Zeitpunkt festgeschrieben werden, steht in Leder für Schuhmarken: die Entscheidungen vor dem ersten Prototyp, und die Stärke selbst in Lederstärke für Schuhobermaterial.

Wenn Sie parallel noch entscheiden, welches Leder es überhaupt werden soll, ist der englische Leitfaden leather for shoes der Ausgangspunkt; für den Herkunftsvergleich siehe italienisches und spanisches Oberleder.

🔗 Auf dem offenen Board posten

Sie suchen eine Gerberei, die eine erste Farbe für eine kleine Serie anlegt — oder eine Fabrik, die bereits mit Ihrem Artikel arbeitet? Genau dafür gibt es die Kategorie Partners & factories auf dem offenen Board: kostenlos, offen lesbar, ohne Vermittlungsprovision. Geht es Ihnen um das Material selbst statt um einen Partner, posten Sie unter Materials.

Häufige Fragen

Ist ein Großhandel teurer als eine Gerberei?

Pro Quadratmeter meist ja, in der Gesamtrechnung oft nein. Ein Händler nimmt eine Marge, gibt Ihnen dafür aber sofortige Verfügbarkeit ohne Mindestcharge. Eine Gerberei ist pro Fläche günstiger, bindet aber eine ganze Trommelcharge pro Farbe. Bei kleinen Stückzahlen ist das gelagerte Leder das billigere Gesamtpaket — der Wechsel lohnt sich, sobald eine Farbe wiederkehrt.

Kann eine Gerberei auch kleine Mengen liefern?

Für Lagerartikel in der Regel ja. Der Engpass ist nie die Fläche, sondern die Farbe: Eine eigene Farbe bedeutet eine eigene Charge. Wer bei einer bestehenden Farbe bleibt, kann auch bei einer Gerberei klein einsteigen und später wachsen.

Woran erkenne ich einen Zwischenhändler, der sich als Hersteller ausgibt?

An drei Signalen: Er nennt keine Artikelnamen, sondern nur Materialkategorien; er kann keine Mindestcharge für eine neue Farbe beziffern; und sein Zertifikat läuft nach dem Standard Trader. Jedes einzelne Signal ist für sich unproblematisch. Alle drei zusammen sind eindeutig.

Brauche ich überhaupt eine Gerberei, wenn meine Fabrik das Leder einkauft?

Dann nicht zwingend — aber Sie sollten wissen, welchen Typ Ihre Fabrik einkauft, denn die Antwort bestimmt, ob Sie die Farbe der zweiten Saison noch beeinflussen können. Lassen Sie sich den Artikelnamen und die Gerberei nennen, nicht nur „Rindleder“.

TL San Martín gerbt und veredelt Leder seit 1995 in Elda, Alicante: LWG Gold nach dem Standard Leather Manufacturer — der einzige Standard, in dem es eine Gold-Medaille überhaupt gibt; ein Trader kommt höchstens auf „Approved“. Muster anfordern.